Media Evolution and Society. Media Companies and the Übermedium

In Kooperation mit dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik und dem Wallraf-Richartz-Museum


Seit C.P. Snow Ende der 1950er Jahre seine These von den »zwei Kulturen« (sciences vs. humanities) entwickelte, ist diese Grenze vor allem durch die Computer- und Neurowissenschaften durchlässiger geworden. Paradoxerweise hat sich gerade durch die global vernetzten Computer und ihre neuen Kommunikationsformen eine neue kulturelle Zweiteilung ergeben: zwischen on/off, »us« und »them«, »Netzutopisten« and »Content-Mafia«, »wirklichen Urhebern« und »Verwertungsindustrie«. In der Debatte um das Urheberrecht wird dieser Dualismus vor allem in Deutschland als neuer Kulturkampf inszeniert und hat zur Gründung einer zugkräftigen politischen Partei neuen Typs geführt.

Dahinter verbirgt sich die Frage, ob das World Wide Web als Übermedium eigene spirituelle und soziale Strukturen ausbilden kann, die sich von Organisationsform und Gehalt herkömmlicher (Massen-)Medien grundsätzlich unterscheiden. Dafür ist John Perry Barlows »Declaration of Independence of Cyberspace« (1996), ironischerweise während des Weltwirtschaftsforums in Davos 1996 ins Netz gestellt, noch immer der prägnanteste Text: »Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from cyberspace, the new home of the Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.«
In einem weitergehenden Entwurf visionieren Theoretiker der »technologischen Singularität« den Umschlagspunkt, an dem die technologische Intelligenz die Kapazitäten der menschlichen Gehirne inkorporiert und überschreitet. Seit kurzem können sich ausgewählte menschliche Intelligenzen an der von Ray Kurzweil und Peter H. Diamandis gegründeten »Singularity University« im Silicon Valley einschreiben.

Vorerst haben sich im Web eigene Marken mit großer kapitalistischer Marktmacht etabliert, die allerdings noch immer von der spirituellen und utopischen Begründung des »Cyberspace« zehren. Ältere Medien(-unternehmen) versuchen, in dieser für sie bedrohlichen Kombination von »space«, »mind« und »speed« ihren Platz zu definieren. So haben sich zwischen Web-Companies und älteren Sendern/ Verlegern zahlreiche Kooperationen und Fusionen in den Produktions- und Distributionsfeldern ergeben. Filmautoren und Produzenten können etwa direkt mit Google/YouTube oder Netflix Verträge schließen. Diese technologische Erweiterung der Produktions- und Distributionsverhältnisse hat medienpolitische und ökonomische Konsequenzen, die weit über Fragen nach dem »Urheberrecht« hinausgehen. Wie kapitalistisch wird »das Netz«? Welche älteren Medienformen und –marken bleiben übrig? Was bleibt vom »new home of the Mind«? In einem hochrangigen internationalen Seminar soll darüber bei der Cologne Conference 2012 debattiert werden.

Wir freuen uns u.a. auf Richard Barbrook (Politologe an der University of Westminster), Tim Wu (Autor und Medienwissenschaftler an der Columbia Law School) et al.