Zurück in die Zukunft. Zeitgeschichte im Fernsehen

Donnerstag, 11. Juni, 10.00-17:00 Uhr


in Zusammenarbeit mit dem ZDF


Der Boom zeitgeschichtlicher Sendungen im deutschen Fernsehen hält an. Täglich 150 Minuten historische Dokumentationen senden vor allem die öffentlich-rechtlichen Programme im Durchschnitt. Schwerpunkt: Der Nationalsozialismus, seine Ursachen und Folgen von Weimar bis zum Kalten Krieg. Gleich drei aufwendige Serien beschäftigten sich im ersten Halbjahr 1998 mit HITLERS HELFERN (ZDF), SOLDATEN FÜR HITLER (ARD), bzw. ganz generell mit THE NAZIS (BBC, in Deutschland in verschiedenen dritten ARD-Programmen zu sehen). Während solche Reihen bisher eher in die Randzonen des Programms geschoben wurden, rechtfertigen gute Quoten jetzt prime-time-Sendeplätze. Wissenschaftlichkeit und historische Seriosität vieler Dokumentationen sind dagegen umstritten.

Vehementer Widerspruch entzündete sich vor allem an der aktuellen Hitlers Helfer-Staffel der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte unter Guido Knopp. Besonders die »szenischen Zitate«, in denen die ZDF-Zeitgeschichtler bedeutsame Situationen, für die kein Originalfilmmaterial existiert, nachstellen, sind Gegenstand der Kritik. Von einer »Dressur der Historie« und vom »Mißbrauch des dokumentarischen Genres« schrieb die FAZ,. »Aufklärung braucht Reichweite« konterte Guido Knopp, rund sieben Millionen Zuschauer pro Folge bei der mittlerweile in 32 Länder verkauften ersten Staffel sprechen für sich.
DER HAUPTMANN VON MUFFRIKA steht für ein Novum der historischen TV-Dokumentation. Anders als bei den meisten anderen Dokumentationen bilden hier keine bereits publizierten und ausgewerteten Quellen die Grundlage. Die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Geschichte des Gefreiten Willi Herold wurde erstmals für diesen Film recherchiert.

Historische Programme sind international längst ein wichtiger Faktor im TV-Markt geworden. In den USA und Kanada, Frankreich und Großbritannien senden Spartenkanäle wie der »History Channel«, »Histoire« oder »History Television« bis zu 24 Stunden »Geschichte« täglich. Der »History Channel«, Sendestart 1995, hat den höchsten Zuwachs an Abonnenten unter den US-Kabelsendern. Auch die großen Bild- und Filmarchive liefern längst nicht mehr nur Rohmaterial, sondern sendefertige Programme und ganze Sendereihen. Dabei werden die Begriffe »Geschichte« – bzw. »History«– von den internationale Marktführern zum Teil deutlich weiter als im deutschen Fernsehen bisher üblich ausgelegt. Auch in Deutschland laufen Vorbereitungen für einen solchen »Geschichtskanal«. Ob so ein Kanal allerdings angesichts des großen Angebots an historischen Programmen bei ARD, ZDF, arte, Phoenix oder 3sat ähnlich konkurrenzfähig sein könnte, wie seine internationalen Vorbilder, bleibt abzuwarten.

 

Moderation: Randy Crott, freie Journalistin, Köln

10.00-10.30 Uhr
Der Zeitgeschichtsboom im Fernsehen. Zwischen Authentizität und Fiktionalisierung
Keynote
Professor Dr. Omer Bartov, Rutgers University, New York

10.30-11.30 Uhr, Fallbeispiele/Präsentationen
»Der Hauptmann von Muffrika«
Paul Meyer, Paul Meyer Filmproduktion, London

»The Nazis«
Tilman Remme, Producer, BBC Documentaries and History, London

»Hitlers Helfer«
Stefan Brauburger, stellv. Redaktionsleiter  ZDF Zeitgeschichte, Mainz
Jörg Müllner, Autor, ZDF Zeitgeschichte, Mainz

11.30-11.45 Uhr, Kaffeepause

11.45-12.30 Uhr, Podium
Professor Dr. Ulrich Herbert, Universität Freiburg
Professor Dr. Eberhard Jäckel, Universität Stuttgart
Professor Dr. Omer Bartov, Rutgers University, Princeton, New York

12.30-14.00 Uhr, Mittagspause

14.00-15.30 Uhr, Präsentationen und Podium
Viel Programm für wenig Geld? Zeitgeschichte und internationaler TV-Markt
Moderation: George Leclere, Executive Director-Elect, The International Council, NATAS, New York

Archive und Eigenproduktionen
Julian Aston, Managing Director, British Pathé, London

Spartenkanäle
Michael Yorick, Director European Operations, The History Channel, New York/London
Nick Comer-Calder, General Manager, Discovery Networks Europe, London

15.30-16.00 Uhr, Kaffeepause

16.00 Uh-17.00 Uhr, Podium
Braucht Deutschland einen Geschichtskanal?
Nick Comer-Calder, General Manager, Discovery Networks Europe, London
Dr. Walter Konrad, Direktor Europ. Satellitenprogramme, 3sat, Mainz
Bengt von Zur Mühlen, Managing Director, Chronos Fim, Kleinmachnow
Rainer C. Wagner, Geschäftsführer, Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart
Professor. Dr. Norbert Frei, Universität Bochum