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»Ich komme nicht mit leeren Händen«

Werner Herzog hat diese Art, einen Raum sofort zu erden: nicht durch Lautstärke, sondern durch Präzision. Im Oktober 2025 sitzt er bei uns vor der Kamera, nimmt Glückwünsche zum Filmpreis Köln entgegen – und beginnt, wie so oft, mit einer kleinen Warnung. Mit Auszeichnungen müsse man vorsichtig sein, sagt er im weichdunklen Tonfall, zu vage sei das, schnell werde daraus ein Lebenswerk-Etikett, ein Schlussstrich. Herzog klingt dabei nicht kokett, eher praktisch. »Zum Glück komme ich nicht mit leeren Händen«, sagt er. Am Vorabend lief beim FILM FESTIVAL COLOGNE die deutsche Uraufführung seines neuen Dokumentarfilms GHOST ELEPHANTS, der nun am 8. März auf Disney+ und National Geographic Wild startet. So wird aus der Ehrung keine Musealisierung und Herzog fühlt sich, wie er sagt, »wohler in der Haut«, wenn die Auszeichnung an etwas Konkretes andockt.

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Wer dem 83-jährigen Filmemacher zuhört, merkt schnell: Nostalgie ist nicht das Seine. Er zählt nicht vergangene Stationen auf, er zählt lieber aktuelle Vorhaben. Zwei neue Filme, zwei neue Bücher in diesem Jahr, dazu der zehntätige Workshop für junge Filmtalente, den er im Januar auf den Azoren leitete. Schreiben sei direkter als Film – ohne Technik, ohne Budgets, ohne all die Zwischeninstanzen – und doch ist auch hier kein Rückzug spürbar, eher eine zweite Spur derselben Neugier. »Meine Filme sind meine Kriege«, sagt er, »und Schreiben ist zu Hause.« Ein Satz wie ein Kompass: Drehen als Expedition, Sprache als Unterschlupf.

GHOST ELEPHANTS ist dabei wie ein Wegweiser in Herzogs Ansatz. National Geographic habe den Film gekauft, erzählt er, einen klassischen Wildlife-Film sollte man aber nicht erwarten. Denn Elefanten gibt es kaum zu sehen. Wichtiger sei die Suche nach einer geheimnisvollen Herde im Hochland Angolas – riesige Tiere, von denen es vor allem Gerüchte gebe, in einem Gelände »so groß wie ganz England«, ohne Straßen, Brücken, Dörfer. Und Herzog schiebt die eigentliche Pointe nach: Es gehe um die Geister der Elefanten, um Träume – und um die Frage, ob es nicht manchmal besser sei, das Ungefundene als Traum in uns zu behalten.

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Dass sich diese Mischung aus Bericht, Behauptung und Poesie bei ihm nie widerspricht, ist Teil seines Lebenswerks. Über rund sechs Jahrzehnte, beginnend mit dem Dokumentarkurzfilm DIE FLIEGENDEN ÄRZTE VON OSTAFRIKA von 1969, hat Herzog das Dokumentarische nicht als Neutralzone verstanden, sondern als Gestaltung: Casting, Inszenierung, Stilisierung, Musik als Eingriff in die Welt. Er ist nicht »die Fliege an der Wand«, sondern jemand, der Nähe herstellt, oft in Situationen, in denen Vertrauen nicht wachsen kann, sondern sofort da sein muss. Im Interview beschreibt er, wie der Kontakt zu den namibischen Spurensuchern vor der Kamera in wenigen Sätzen entsteht – und wie daraus ein Beziehungsgeflecht wird, das keiner Vorgeschichte bedarf. Mit seiner unverwechselbaren, bayerisch gefärbten Erzählstimme führt Herzog durch den Film und formt mit ihr eine eigene Wirklichkeit.

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Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung der Auszeichnung in Köln: nicht im Rückblick auf ein abgeschlossenes Werk, sondern in der Bestätigung einer ungebrochenen Haltung. Herzog wirkt nicht wie ein Regisseur, der Bilanz zieht, sondern wie einer, der sich noch immer wundern kann – über Herbstbäume im Taunus, über Stimmen in der Wüste, über Bilder von Elefanten unter Wasser. Und während andere ihr Lebenswerk ordnen, sitzt Herzog längst wieder am Schneidetisch, schreibt Kommentare auf kleine Zettel und spricht sie drei Meter weiter ins Mikrofon. Der Blick geht nach vorn, offen, neugierig und staunend.

GHOST ELEPHANTS von Werner Herzog läuft ab 8. März auf Disney+ und National Geographic Wild.