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Kleber Mendonça Filho: Mein Zwiebel-Film

Der brasilianische Regisseur, Autor und frühere Filmkritiker war in diesem Jahr zu Gast beim FILM FESTIVAL COLOGNE, wo er seinen neuen Spielfilm präsentierte, den Hollywood Reporter Award entgegennahm und beim Artist Talk im ausverkauften Saal 1 des Filmpalasts über seine künstlerische Praxis sprach. Im exklusiven FFCGN-Videointerview erzählt er von der Entstehung des Films, von der Verantwortung des Kinos – und von der beunruhigenden Gegenwart seiner eigenen Geschichte.

THE SECRET AGENT spielt 1977, im Schatten der Militärdiktatur. „Er handelt von jemandem, der alles richtig macht und dafür bestraft wird, weil das System verdreht und auf dem Kopf steht“, erzählt Mendonça Filho. Was als Thriller beginnt, wird zum Spiegel politischer Realität – und zu einem Porträt von Anstand in Zeiten der Willkür. „Das passiert oft in Systemen, die mit Autokratie flirten und in denen Demokratie fehlt.”

Obwohl die Geschichte fast fünfzig Jahre zurückliegt, wirkt sie erschreckend gegenwärtig. Mendonça Filho erkennt in ihr ein Echo der politischen Rückschritte und den Rechtsruck der letzten Jahre unter Jair Bolsonaro, der von 2019 bis 2022 das Land regierte. „Viele der schrecklichen Ideen aus den 1970er-Jahren wurden vom ehemaligen Präsidenten wiederbelebt“, erklärt er. „Ich wollte über die Vergangenheit schreiben, und plötzlich schrieb ich über das Jetzt.“

Doch THE SECRET AGENT ist kein düsteres Lehrstück, sondern ein sinnlich pulsierendes Werk. Es spielt während des Karnevals – einer Zeit, die alles überstrahlt: Musik, Rausch, Farbe, Körper. „Es ist ein sehr brasilianischer, aber auch universeller Film“, sagt Mendonça Filho. „Jemand hat ihn eine Zwiebel genannt – man nimmt eine Schicht ab und entdeckt eine neue.“ Unter der Oberfläche seiner Geschichten liegen immer weitere Geschichten, Schichten aus Erinnerung, Melancholie und Ironie.

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Im Gespräch mit dem Regisseur ist seine tiefe, reflektierte Vertrautheit mit Bildern zu spüren. Bevor er Filme drehte, schrieb er über sie – dreizehn Jahre lang als Filmkritiker. „Das war eine Art körperliches Training für das Gehirn“, sagt er. „Ich musste Filme sehen, die ich nie freiwillig gewählt hätte – und habe dadurch unendlich viel gelernt.“ Diese Haltung, offen und neugierig zu bleiben, durchzieht sein gesamtes Werk.

Für THE SECRET AGENT schrieb Mendonça Filho die Hauptrolle eigens für Wagner Moura, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet und der in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Udo Kier, Weltstar aus Köln, mit dem er schon in BACURAU (2019) arbeitete, kehrt in einer eindrucksvollen Nebenrolle zurück. Die internationale Koproduktion mit deutscher Beteiligung spiegelt auch im Entstehungsprozess, was seine Filme inhaltlich auszeichnet: Offenheit, Austausch und kulturelle Vielschichtigkeit.

„Die besten Filme nehmen dich mit auf eine Reise voller Überraschungen und Emotionen“, sagt Mendonça Filho. „Und jeder Film ist ein neuer Ordner für die Archive der Nachwelt – vielleicht hat er irgendwann für jemanden eine Bedeutung.“