„Köln ist für mich Erinnerung,“ beginnt einer dieser typischen Udo-Kino-Monologe, wie sie – einmal angestoßen – Interviewer so oft in Andacht verstummen lassen. Mit fünfzig Pfennig, die ihm seine Mutter in die Hand drückt, damit er sich Elizabeth Taylor im Kino ansehen kann, beginnt auch in unserem Festivalbüro ein Gedankenstrom, wie ihn nur der Kölner Weltstar erzählen kann.

Er führt natürlich zum Dom, wo er der Schwarzen Madonna zwei Kerzchen anzündet, „eine für die toten Freunde, eine für die lebenden“ – aber auch wieder zurück zu Liz Taylor.
Bei einem Dinner auf der Baseler Kunstmesse „wo man immer so lange auf sein Essen warten muss“, kam es endlich zur Begegnung mit dem frühen Idol.
„Da habe ich dann zu all den Malern an meinem Tisch gesagt, ich nehme jetzt zwei Blumen aus der Dekoration und gehe damit zu Elizabeth Taylor und küsse sie. Da bin ich zu ihr hingegangen, habe ihr gesagt: ‚You are so beautiful‘ und habe sie auf die Stirn geküsst. Da hat sie gesagt: Thank you!“
Wer Udo Kier zum Interview begegnet, weiß nie, mit wem er es zu tun hat: Dem Star oder dem Fan. Das passt zu jemandem, der seinen Ruhm Andy-Warhol-Produktionen verdankt, nur dass Udo Kiers Viertelstunde Berühmtheit niemals aufgehört hat.

Gut möglich, dass zu den Künstlerfreunden, die seinerzeit den Überfall auf Liz Taylor bei der Art Basel miterlebten, auch Albert Oehlen gehört. In BAD PAINTER, der nun seine deutsche Erstaufführung bei den Kölner Kinonächten erlebt, spielt er das Alter Ego des Malers und natürlich auch wieder sich selbst. Denn in Udo Kiers Medienpersona überschneiden sich die Idealbilder von Modell und Künstler auf einzigartige Weise.
Seit den frühen Siebziger Jahren pendelt er zwischen Hollywood und Arthouse, großem Kino und künstlerischen Experimenten, darunter bedeutenden Werken von Rainer Werner Fassbinder, Christoph Schlingensief und Lars von Trier. Als „Arteholic“ feierte ihn ein Dokumentarfilm in seiner zweiten Existenz als Kunst- und Künstlerfreund.

Seine Lebensgeschichte, egal, von welcher Seite er sie auch aufblättert, gleicht dabei einem Bohème-Roman aus dem 19. Jahrhundert – nur dass es dort immer die Frauen sind, die die Künstler kennenlernen – und es mit ihnen gar kein gutes Ende nimmt.
„Dass ich entdeckt wurde, hatte aber noch weniger mit der Kunst zu tun, als damit, dass ich ein sehr fotogener Mann war. Ich kam ja nicht durch mein Können, sondern mein Aussehen zum Film. Das war mir auch bewusst. Als ich dann im Flugzeug neben Paul Morrissey saß, und er mich fragte, was ich mache, hatte ich als junger Schauspieler natürlich gleich mein Foto zur Hand. Dann wollte er meine Nummer haben und ich schrieb sie in seinen amerikanischen Pass. Daraus entstand ein paar Wochen später der Anruf: Er mache einen kleinen Film, FRANKENSTEIN IN 3D, und er hätte eine kleine Rolle für mich. Ich fragte, was spiele ich denn? Und er sagte: ‚Frankenstein‘“.

Udo Kiers Bekenntnisse wurden wenige Tage nach seinem 80. Geburtstag, unmittelbar vor der Verleihung des INTERNATIONAL ACTORS AWARD bei unserem Festival verewigt.
















